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This year I saw Trust and Protect Me, theatre plays by Falk Richter. Both deal with contemporary social topics and are very deep in thought. The following excerpt is taken from Trust.
 
ICH BIN WIE GELD
Das Vertrauen ist nun einfach mal weg. Und meine Wut muss ja irgendwo hin, ich kann mir ja nicht unentwegt, wenn ich wütend bin, ein Che Guevara T-Shirt bei Prada kaufen und damit dann voll wütend über den Kudamm laufen, ich muss doch endlich mal Formen entwickeln, damit meine Wut in irgendetwas hineinfließen kann, bei dem ich das Gefühl habe, SACHEN ÄNDERN SICH, und zwar nicht immer nur Sachen, die man kaufen muss. Ich kann immer nur den ganzen Style um mich herum austauschen, mehr kann ich überhaupt nicht austauschen, ab und an kann ich mit jemand anderes meinen Körper tauschen, aber auch das geht dann immer nur ein zwei Tage, dann sucht der sich schon wieder nen anderen Körper, wieso auch nicht, diese Körper sind ja alle genormt, da kann der ja auch nen anderen Körper nehmen, der ERKENNT JA GAR NICHT DIE DIFFERENZ die ich hier immer versuche herzustellen MEINE VERSUCHE DIFFERENZ HERZUSTELLEN SIND EINFACH ZU ZAGHAFT ich müsste da mal etwas MUTIGER VORSTOSSEN aber ich hab mich noch nicht entschieden, ich hab NOCH KEINE RICHTUNG GEFUNDEN ich bleibe immer gleich und es kotzt mich an, dass ich immer gleich bleibe.
 
GESTERN HABE ICH MIR BEI ESCADA DIESES HEMD HIER GEKAUFT das ist doch echt hübsch, oder? ABER MEIN LEBEN HAT SICH ÜBERHAUPT NICHT VERÄNDERT DADURCH ICH BIN IMMER NOCH DIE GLEICHE ich bin einfach die gleiche und ich bin gar nicht richtig hier ich bin irgendwie so n Kind das seit 14 Jahren von seinen Eltern in einem Hotelzimmer in Hong Kong oder Peking oder Shanghai auf einer Geschäftsreise oder Promotour oder was weiß ich AUF DER STEUERFLUCHT in den pazifischen Ozean einfach zurückgelassen wurde, und ich sitze hier immer noch und alle sprechen Chinesisch und sind ganz nett, aber ich versteh nichts, und keiner redet mit mir und ich warte immer noch dass meine Eltern zurückkommen und mich abholen oder jemanden vorbeischicken der mich mitnimmt oder dass mal irgend ne Nachricht von denen kommt, damit ich irgend einen Anhaltspunkt habe ICH HABE KEINEN ANHALTSPUNKT das habe ich einfach nicht ICH BIN WIE GELD verdammt ich bin wie Geld ich bin alles und überall und keiner kann meinen Wert einschätzen und jeden Tag muss geguckt werden ob ich überhaupt noch was Wert bin, das wechselt nämlich jeden Tag, mein Wert, meine Beziehungen zu anderen, und dauernd laufe ich Gefahr komplett wertlos zu werden über Nacht, dauernd laufe ich Gefahr komplett einzubrechen, ICH BIN WIE GELD, alle wollen mich haben und zwar ganz viel, aber ich schaffe es einfach nicht, irgendwen glücklich zu machen, auch, wenn die das immer glauben, und ich darf überall hin, aber ich kann meinen Wert einfach nicht mehr abschätzen, weil es da keine Richtlinien mehr gibt, die lösen sich grade alle auf, ICH BIN WIE GELD, das ist auch was schönes, denn Geld ist überall und kennt keine Grenzen, keine Moral und keine Angst, manchmal ist es scheu, wenn es Sicherheiten garantieren soll, dann zieht es sich lieber zurück, oder wenn es einspringen soll in der Not, wenn es anderen helfen soll, dann geht es lieber, und das mach ich auch, ich bin eigentlich immer am liebsten GANZ SCHNELL WEG wenn es drauf ankommt, das wird mir immer alles zu riskant mit dir, mein Schatz, du bist nett und süß, aber es gibt einfach im Moment lukrativere Märkte als dich.